Interview zur Verfügung gestellt von:

Henrike Heß

 

Sie ist studierte Pädagogin, Elternberaterin und Lerntherapeutin,

Inhaberin der Studienkreise und der Duden Institute für Lerntherapie in Gießen und Gladenbach

 

 

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Zur Debatte um die Ursache von LRS

Ein Definitionswirrwarr

 

Interview mit der Dozentin Dr. habil. Borghild Rehak

 

Dr. Rehak, Sie haben sich mehr als 20 Jahre mit LRS wissenschaftlich befasst. Wie stehen Sie zu der Debatte: Ist die LRS eine Krankheit?

Mit verschiedenen Begriffen wird unterschiedlich umgegangen: Manche setzen Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche und Lese-Rechtschreib-Störung gleich, andere definieren da Unterschiede. Dieser Wirrwarr betrifft übrigens auch die Fachpublikationen. Aus meiner Sicht handelt es sich bei der LRS genauso wie bei der Rechenschwäche nicht um eine Krankheit.

 

Was ist es dann?

Geht es bei der Debatte nicht auch darum, dass wir mit ganz unterschiedlichen Begabungen zur Welt kommen? Jedes Kind hat seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen und entwickelt ein individuelles Tempo. Nicht immer sind alle Voraussetzungen vorhanden, wenn das Kind in der Schule beginnt, Lesen, Schreiben oder Rechnen zu lernen. Dann kommen Anforderungen, denen das Kind (noch) nicht gewachsen ist.

 

Gen- und Hirnforscher haben bei Kindern mit einer LRS Abweichungen festgestellt. Sind dies die eigentlichen Ursachen?

Wir wissen zu diesem Thema dank der modernen Forschung heute viel mehr als noch vor wenigen Jahren. Ich warne jedoch bei der Ursachendebatte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Die Debatte – ob krank oder nicht – hilft letztendlich nicht weiter.

 

Welche Debatte brauchen wir?

Wichtiger ist die Frage: Welche Rahmenbedingungen schaffen wir Kindern oder Jugendlichen, damit sie trotz schlechterer Startbedingungen das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen? Dass sie dies schaffen können, davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Wir sollten unsere Kraft darauf konzentrieren, dass jedes Kind mit einer LRS oder einer Rechenschwäche die individuell notwendige Förderung bekommt.

 

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